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Warum wir auch weiterhin große Löcher im Boden benötigen

Donnerstag, 17. November 2016

....... und wieso sich Investitionen in Minengesellschaften nach wie vor sehr lohnen können.

 

Gastbeitrag von Dr. Frank Bierlein 

Diplom-Geologe Dr.  Frank  Bierlein ist Beiratsvorsitzender des ME Fonds – PERGAMON.


Unsere Ur-Großeltern waren erwiesenermaßen erfolgreiche Jäger und Sammler, die sich weitgehend ihre natürliche Umgebung zu Nutzen machten und sich von schmackhaften Dingen ernährten, die entweder von Bäumen hingen oder über die weiten Felder rannten. Eine der monumentalsten Quantumssprünge in der gesamten Entwicklung unserer Spezies – neben der Bändigung von Feuer – geschah jedoch, als der Steinzeit-Mensch den Wert von Bodenschätzen entdeckte. Diese waren nicht nur von großem Nutzen, um hochwertigere Werkzeuge sowie Waren herzustellen und zu handeln, sondern trugen auch zu einem unvergleichbaren Anstieg der Lebens-Qualität und –Länge unserer Vorfahren bei.

Die ersten ‚Lagerstätten‘ waren auf sekundäre Oberflächenansammlungen von bearbeitbaren Metallen wie Silber, Gold, Eisen und Kupfer beschränkt. Aufgrund einer rapide ansteigenden Nachfrage und der unaufhaltsam wachsenden, immer mehr verknüpften Gesellschaft wurden daraus rasch kleine Gruben und Stollen, die dank dem menschlichen Einfallsreichtum im Lauf der Geschichte zunehmend grösser und immer effizienter wurden. Und so hat es sich zugetragen, dass unsere Gesellschaft im 21sten Jahrhundert auf Gedeih und Verderb von dem weltweiten Abbau von Rohstoffen abhängig ist.

Das berühmte Zitat „if it cannot be grown, it has to be mined“ (“wenn es nicht gezüchtet werden kann, muss es abgebaut werden”) hat deshalb mehr Bedeutung als je zuvor. Rohstoffe und deren vielfältigen Produkte sind elementare Bausteine unseres Lebens. Sie finden sich in unserem Essen (und ich beziehe mich dabei nicht auf Schadstoffe!), wir sind von ihnen umgeben in unseren Wohnungen, Autos und auf der Straße, benutzen sie in unserer täglichen Arbeit und Freizeit, sowie beim Einkaufen, Kochen und Verzehren von unseren Mahlzeiten (egal ob Gourmet oder von McDonald’s), sie schützen uns vor Sonnenbrand und Regen, erlauben es uns, in vier Stunden von Frankfurt nach Teneriffa zu reisen und von dort aus mit unseren Nahestehenden zuhause 24/7 in Verbindung zu bleiben, ohne dass dabei die Batterie des Laptops zu Neige geht, sind unverzichtbar im Bau und Betrieben von Solarzellen und Windturbinen, und sie tragen einen Großteil dazu bei, dass wir unseren gewohnten Lebensstil in das hohe Alter genießen und bewahren können. Ich denke, Sie verstehen, was ich meine. Aber wussten Sie dass sich z.B. in einem einzigen Mobilfunkgerät (‚Handy‘) über 60 verschiedene Metalle finden lassen (http://www.techradar.com/news/phone-and-communications/mobile-phones/our-smartphone-addiction-is-costing-the-earth-1299378)? Viele dieser Metalle sind ‚unersetzlich‘ (d.h., es gibt zurzeit keinerlei brauchbaren Ersatz dafür), jedes Einzige davon ist weitgereist und stammt aus einer Lagerstätte in z.B. China, Chile, Australien oder den USA. Deutschland alleine hat im Jahr 2013 stolze 42.6 Millionen Tonnen Eisenerz verarbeitet – eine ordentliche Menge, die allerdings verblasst im Vergleich zu China’s Verbrauch von 779 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum (http://www.ironorefacts.com/the-facts/iron-ore-global-markets/). Selbst der Bedarf an ‚obskureren‘ Metalle wie Niobium und Kobalt liegt in den 100,000den von Tonnen pro Jahr (http://web.mit.edu/12.000/www/m2016/finalwebsite/problems/ raremetals.html) und die Tendenz steigend.

All diese Rohstoffe müssen permanent ersetzt werden, sofern wir nicht wieder den Lebensstil unserer Höhlen-bewohnenden Vorfahren adaptieren wollen. In der Tat, mancherlei Rohstoffe wie z.B. Kupfer werden gegenwärtig schneller ‚konsumiert‘ als dass neue wirtschaftliche Vorkommen davon entdeckt, entwickelt und in die Produktion genommen werden können. Recycling von z.B. Blei und manchen anderen Metallen kann kosten-effizient sein und ist von daher sehr nutzvoll, kann aber niemals den immer weiter wachsenden Bedarf an Metallen, Baustoffen und Industriematerialien decken. Zumal dieser insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern enorm stark ist und rapide anwächst. In Indien alleine werden bis Ende 2017 geschätzte 314 Millionen Einwohner ein Handy besitzen (gegenüber ca. 159 Millionen in 2014; Mobile Association of India Report). Apple Inc. alleine verkaufte weltweit im ersten Quartal von 2016 96.2 Millionen iPhones, iPads und Computers (http://images.apple.com/pr/pdf/q1fy16datasum.pdf) vollgestopft mit seltenen Erden, Edelmetallen und anderen Rohstoffen wie z.B. Aluminium, Kupfer, Lithium und Nickel.

Aus diesen, und zahllosen weiteren Gründen wird unsere Gesellschaft in absehbarer Zeit nicht damit aufhören können, Löcher zu graben, um Bodenschätze zu gewinnen. Was keineswegs heißen soll, dass Gruben und Untertage-Minenbetreiber eine ‚card blanche‘ Lizenz auf Kosten des Umweltschutzes und der Bewahrung von der Natur haben sollen bzw. dürfen. Aber sofern nachhaltige Schutzmaßnahmen beachtet und eingehalten werden, ist der Abbau von Rohstoffen zumindest für die nächsten Jahrzehnte schlicht unersetzbar und die absolute Notwendigkeit dafür einfach unwiderlegbar.

In der Zukunft ist es gut vorstellbar, dass das Abbauen von Asteroiden Realität werden könnte. Damit kann dann das staubige Geschäft von Erd-Umschichtungen und –Abgrabungen, sowie die nötigen Umwelteingriffe dafür vielleicht völlig und permanent in den Weltraum (und damit außerhalb der Sicht und Gedanken von Naturliebhabern) verlegt werden. Und tatsächlich, diese Idee bekommt zunehmend Unterstützung – Luxemburg hat kürzlich die stolze Summe von 25 Millionen Euros in die Amerikanische Asteroid Minengesellschaft Planetary Resources investiert (http://www.mining.com/luxembourg-shoots-for-the-stars-invests-28-million-in-planetary-resources/). In 2015 legalisierte US Präsident Obama ein Gesetz, das es US Bürgern erlaubt, nach Rohstoffen im Weltall zu explorieren, sowie geeignete Himmelskörper zu erwerben und für die Erzgewinnung abzubauen (http://www.planetaryresources.com/2015/11/president-obama-signs-bill-recognizing-asteroid-resource-property-rights-into-law/). Aber bis Bruce Willis und seine Kollegen das erste Bohrgestänge auf einem Asteroid in Bewegung setzen, werden noch einige Jahre vergehen müssen. Inwiefern die gefragten Rohstoffe (in konzentrierter Form?) dann zurück zu unserer irdischen Heimat gelangen, steht auch noch auf einem anderen (abbaubaren?) Stern.

Erstaunlicherweise fehlt jedoch vielen Menschen, vor allem in Ländern wie Deutschland, wo traditionelles Mining (abgesehen von Kohleabbau) vor Jahrzehnten – und in manchen Fällen sogar Jahrhunderten – zum Erliegen kam, der notwendige Zusammenhang zwischen Rohstoff-Abbau und deren kritischer Notwendigkeit für unser tägliches Leben. Und vielleicht gerade aus diesem Grund leidet der Rohstoffsektor unter einem Defizit an Ansehen, was Investitionsmöglichkeiten und Kapitals-Wachstumspotential angehen. Hochwertige und gut-gemanagte Minengesellschaften können jedoch durchaus sehr profitabel für den anspruchsvollen Investor sein und viele Solche (z.B. BHP Billiton, Newmont Mining, AngloAmerican) zahlen zusätzlich ansehbare Dividenden, selbst in wirtschaftlich weniger guten Zeiten.  Insbesondere in Hinblick auf die anhaltend starke Volatilität, die den globalen Finanzmarkt seit einiger Zeit beherrscht und besorgniserregende Thematiken wie ‚quantitative easing‘ and ‚helicopter money‘ bleiben Minenwerte – vor allem im Edelmetallsektor – durchaus als eine ‚solide‘ Alternative bestehen.

Diplom-Geologe Dr.  Frank  Bierlein ist Beiratsvorsitzender des ME Fonds – PERGAMON.

BHP Billiton’s Mt Whaleback Mine in the Pilbara region of Western Australia (photo by F. Bierlein)

 

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