Seit Juli 2016 veröffentlicht Dr. Markus Elsässer regelmäßig Filme - diese finden Sie unter "Video".  

 

          Podcast Beiträge können Sie auf i-tunes unter "Dr. Markus Elsässer" finden.        

 

          Sie interessiert das Blogthema? Klicken Sie einfach auf die Überschrift, dann erhalten Sie den kompletten Blogartikel.

 

           Dürfen wir Sie auf neue Blogeinträge oder Videos von Dr. Elsässer aufmerksam machen? Schicken Sie uns eine kurze Mail,

           dann halten wir Sie gerne auf dem Laufenden. 

           


 

Rohstoffaktien - Talsohle erreicht?

Montag, 4. Mai 2015

Die Baisse an den Rohstoff-Finanzmärkten dauert nun mehr als drei Jahre an. Die meisten Kursnotizen befinden sich auf tiefstem Niveau. In den ersten vier Monaten des Jahre 2015 zeichnet sich eine Konsolidierung ab. Der Beginn einer Trendwende?


Nach dem großen Aufschwung und der überdurchschnittlichen Performance in den Jahren 2010 und 2011, befinden sich die Rohstoff-Aktienmärkte seit 2012 in einer fortgesetzten Krise. Das Ausmaß der Kurszusammenbrüche, quer durch alle Branchen von Gold/Silber, Energie bis hin zu Dünger und Industriemetallen hat während der letzten drei Jahre ungeheure Dimensionen angenommen. In den ersten vier Monaten des Jahres 2015 hat zum ersten Mal seit drei Jahren eine Bodenbildung im „tiefen Tal“ stattgefunden.

 

Es steht außer Frage, dass unser modernes Industrie/Kommunikationszeitalter in dem wir leben, ohne die Förderung von Rohstoffen nicht denkbar ist. Von daher ist das Problem nicht die Nachfrage und der Absatz von Rohstoffen; vielmehr handelt es sich um eine „hausgemachte“ Krise der Rohstoff-Firmen an den Finanzmärkten. Über zu lange Zeit wurde die Branche mit überschwänglichem Optimismus von Geologen als Industriekapitänen und nicht von konservativen Kaufleuten geführt. Hier kam es zu einer unheiligen Allianz mit einer geldgierigen Finanzbroker-Szene dominiert von den Börsenplätzen Vancouver, Perth und London. Mit andauernden Börseneinführungen (IPOs) und ständigen Kapitalerhöhungen hatte man ein hochlukratives Geschäftsfeld entwickelt. Hier wurde zu häufig ohne solides Rechenwerk ein großes Rad gedreht und das Vertrauen der Rohstoff-Investoren missbraucht.

 

In Folge dessen haben beinahe in allen großen Unternehmen Reorganisationen stattgefunden. In den Zentralen wurden ganze Managementhierarchien zum Beispiel gestrichen. Zudem erfolgte eine Rückbesinnung auf das jeweilige profitable Kerngeschäft. Randgebiete außerhalb der Fachkompetenz, in Gebieten ohne spezielle Landesexpertise, sowie Projekte ohne klare Ertragsberechnung wurden abgestoßen. Darüber hinaus wurden die früheren Top-Manager vom Typus Konzernstratege am grünen Tisch durch handfeste, knallharte Pragmatiker ersetzt.

 

Hinter den Kulissen hat sich also sehr viel getan. Ein gutes Beispiel für die ersten Anzeichen eines optimistischen „Aufwärts“ ist die Takeover Offerte von Royal Dutch Shell für den Öl- und Gaskonzern BG Group in Höhe von GBP 47 Milliarden. Auch BHP, der weltgrößte Minenkonzern, hat die Abspaltung seiner Interessen außerhalb seines ursprünglichen Kerngeschäftes angekündigt. Die Altaktionäre von BHP werden diesen Spin-off als eine Gratisaktie erhalten. Ernstzunehmende Anzeichen für eine Trendumkehr! Noch dominiert allerdings Angst und Pessimismus. Entsprechend befinden sich die Kursnotizen der Rohstoff-Firmen auf einem Allzeittief. Die strukturellen Verbesserungen wirken sich bislang kaum in den Kursen aus.

 

Die Situation an den Weltbörsen ist paradox. Während Industrieaktien guter Qualität in den letzten Jahren eine geradezu spektakuläre Kursexplosion aufweisen konnten, sind die Kurse der Rohstoffunternehmen zusammengebrochen. Wohin man auch als Investor schaut, nirgends gibt es ein preiswerteres Segment als bei den Rohstoffaktien. Am Ende einer dreijährigen Baisse ist es typisch, dass die Übertreibung in den Kursen nach unten überhandnimmt. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass in der Endphase Marktteilnehmer das Handtuch werfen. So sind inzwischen viele Rohstoff-Fonds geschlossen worden. Der große Blackrock-Fond hat sich von ganzen Teilbereichen getrennt und die Deutsche Bank hat ihren Rückzug aus dem Rohstoffhandel angekündigt. Solche radikalen Maßnahmen führen zu Zwangsexekutionen, welche die Kurse in ungeahnte Tiefen treiben. Am Ende des Kehraus bleiben in einer Branche immer nur die Experten und die hartgesottenen Investoren zurück. Die Vergangenheit hat schon oft gezeigt, dass solche dunklen Stunden ein guter Zeitpunkt zum Einstieg für langfristig denkende und antizyklisch handelnde Investoren sind.

 

Ein weiteres Argument hierfür ist die Disbalance zwischen der Entwicklung der Rohstoffpreise im Vergleich zu der Entwicklung der Rohstoffaktien. Hierzu nur ein Beispiel: Während der Goldpreis seit 2012 in der Spitze, um etwa -30% gefallen ist, hat der Index der Goldaktien etwa -60% verloren. Auch die weltgrößten Goldminenkonzerne, wie zum Beispiel Newmont Mining hat seit 2012 zwischen -50% und -60% an Wert eingebüßt. Ganz gleich, ob es sich um Industriemetalle oder andere Commodities handelt, generell gilt: Die größten Aktiengesellschaften haben sich etwa halbiert, mittelgroße und kleinere Firmen haben -70% bis -90% Kursverlust aufzuweisen.

 

In der Zukunft ergibt sich daraus ein interessanter Aspekt. Für die großen Konzerne wird es viel klüger sein unterbewertete, mittelgroße Konkurrenten mit guten Lagerstätten aufzukaufen, statt langwierig auf eigene Rechnung nach Ressourcen zu explorieren. Von daher ist mit einer regelrechten Takeover-Welle im Segment der Rohstoffgesellschaften mit einer Marktkapitalisierung zwischen USD 500 Millionen bis USD 7 Milliarden zu rechnen. Zusätzlich zur Korrektur der krassen Unterbewertung (vor allem im Vergleich zu den Industrieaktien) kommt also noch der Aspekt eines verstärkenden Momentums durch Takeoveraktivitäten.

 

Noch ist ungewiss, ob der Turnaround an den Börsen nachhaltig vollzogen ist. Die Anzeichen sprechen dafür. Für den Investor ist bei dieser Ausgangslage die Struktur des Depots entscheidend. Erstens ist darauf zu achten möglichst wenig politische Risiken, was die Länder angeht, einzugehen (Kriege, Umstürze, Enteignungen). Zweitens kommt es auf die richtige Gewichtung der verschiedenen Rohstoffbranchen (Edelmetalle, Industriemetalle, Energie/Öl, Dünger und Sonstiges) im Depot an. Schließlich sollte das richtige Verhältnis von Blue Chip zu mittelgroßen Unternehmen vorliegen.

 

Das aus dieser Situation herrührende, überdurchschnittliche Aufwärtspotential lohnt sicher ein Investment für den risikofreudigen Investor. Denn früher oder später, nach nunmehr drei Jahren der Krise und Umstrukturierungen, wird es wieder aufwärts gehen. Wie lange eine solche Seitwärtsbewegung an der Börse anhält ist jedoch ungewiss. In dieser Zeit muss das Risikoprofil des Depots so gestaltet sein, dass man geduldig, ruhig schlafen kann.

 

Impressum | Datenschutz