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Ein Ausweg: Aus Staats-Anleihen werden Staats-Aktien

Montag, 29. Juni 2015

Die Bevölkerung weiß es, die Politiker wissen es. Die meisten Staaten werden ihre aufgehäuften Schulden nie zurückzahlen können. Kaum einer wagt das Problem anzusprechen, geschweige denn eine ernsthafte Lösung vorzuschlagen. Statt das Dilemma der nächsten Generation aufzuhalsen, schlagen kluge Köpfe einen Ausweg vor: Anleihen mit unbegrenzter Laufzeit! Das wären dann quasi Staats-Aktien.


Darauf wird es am Ende hinauslaufen: nicht nur in Griechenland, sondern auch in Deutschland. Wie es heute schon mit den Staats-Anleihen gehandhabt wird, das ist schließlich nichts Anderes als die Verewigung der Schulden.

 

Der Schuldenschnitt für Griechenland wird aller Voraussicht nach nicht kommen. Es wird schlimmer kommen: Die Griechen werden ihre Schulden nicht mal mehr teilweise zurückzahlen. Die Griechen werden von den Nennwerten ihrer Anleihen gar nichts zurückzahlen. Sie wandeln ihre Papiere um, in ewige Anleihen: Geldgeber, die ihr Geld zurückhaben wollen, müssen faktisch an der Börse einen Käufer für die Papiere finden; zu welchem Kurs auch immer. Praktisch sind solche ewigen Staats-Anleihen nichts anderes als Staats-Aktien. Ihr Wert richtet sich nach Angebot und Nachfrage und nach den Zinsen, die ewige Schuldner zahlen müssen und zahlen können.

 

Übrigens: Die Briten haben Erfahrungen mit solchen ewigen Anleihen. 1752 haben sie ihre damaligen Staatsschulden in eine einzige „Consolidated-Stock“-Anleihe umgewandelt. Weil sie – genauso wie die Griechen heute – die Schulden nicht zurückzahlen konnten. Logisch verwenden die Briten für diese Anleihen mit unbegrenzter Laufzeit den Begriff „Stock“: Staats-Aktie. Ein Teil dieses im Laufe der Jahrhunderte immer weiter aufgestockten „Consols“, zahlt die britische Regierung aktuell zurück: 4% Zinsen, wie sie dafür „ewig“ gezahlt werden müssen, sind zu viel, im Vergleich zu den heutigen Zinsverhältnissen.

 

Die ewigen Staatsanleihen wären eine Anerkenntnis der Realität. Faktisch werden Staatsschulden heute ja nicht zurückgezahlt, sondern jeweils nur verlängert. Das ist in Großbritannien nicht anders als in Deutschland, in Frankreich, in den USA und in Japan. Die Tilgungsversprechen solcher Anleihen sind heute eine Rückzahlungsfiktion.

 

Für die junge Generation wären die ewigen Anleihen eine riesige Erleichterung. Sie kommt nämlich auf diese Weise von ihren Erbschulden frei. Sie muss keine Anleihen mehr zurückzahlen, welche die Elterngeneration aufgenommen hat. Die Jungen drehen sogar den Schuldenspieß um: Den größten Teil der aktuell ausstehenden Bundes-Anleihen hält die Elterngeneration – und zwar in den verschiedensten Formen der Altersvorsorge und der allgemeinen Vermögensanlage. Sobald die Eltern eines Tages nicht nur die laufenden Zinsen haben wollen, sondern auch die Nennwerte für ihre Versorgung brauchen, können sie nicht mehr warten bis zur Fälligkeit der Anleihen. Dann müssen sie an der Börse Käufer finden, die ihnen diese Anleihen abnehmen und bezahlen.

 

Eine generelle Umwandlung von Staats-Anleihen in Staats-Aktien würde auch ein weiteres Problem lösen: Die Europäische Zentralbank müsste keine Anleihen mehr ankaufen, um auf diese Weise Geld für die Rückzahlung fälliger Anleihen bereitzustellen. Diese Ankäufe sind bekanntlich hoch umstritten.

 

Fazit: Schluss mit dem Motto "Augen zu"! Wir sind es unseren Kindern schuldig, keine angebissenen Äpfel im Regal liegen zu lassen. Machen wir das Regal frei - mit ewigen Staatsanleihen.

 

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