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Das meiste Geld verdient man mit dem Wort „Nein“

Montag, 25. April 2016

Innere Unruhe und Tagesnachrichten sind schlechte Ratgeber. Die Angst dominiert. Dabei ist der Schlüssel zum Geldverdienen leicht zu finden: Das Wort „Nein“


Ob man nun kauft oder verkauft. Die Versuchungen liegen am Wegesrand. Bombardiert von Tagesnachrichten aus der Finanzwelt lassen sich viele Geldanleger immer wieder in die Irre führen.

Dabei liegen die Quellen des Übels auf zwei Gebieten. Zum einem, getrieben von der Angst Chancen zu verpassen, juckt es den Geldanlegern ständig in den Fingern, auf fahrende Züge aufzuspringen. Zum anderen, die heranschleichende Sorge vor Verlusten, welche die Investoren immer wieder zum Verkaufen und zum unnötigen Ausstieg aus Engagements verleitet. Engagements, die es wert gewesen wären, langfristig zu behalten. Überall ist es zu beobachten: Ein Aktionismus mit fatalen Folgen für das Ersparte. So lässt sich nichts Großes aufbauen.

 

Das Finanz-System freut sich

 

Der alte Börsenspruch „hin und her macht die Taschen leer“ hatte schon seine Berechtigung. Nach wie vor basiert das meiste Einkommen in der Broker- und Börsenbranche auf Transaktionsgebühren. Das heißt: Je mehr gekauft und verkauft wird, um so mehr verdient die Branche. Ganz besonders ist das in den Vereinigten Staaten von Amerika ausgeprägt. Dort erhalten die meisten angestellten Broker überhaupt kein festes Monatsgehalt. Sie bekommen lediglich einen Prozentsatz von den Transaktionsgebühren, die ihre Kunden erwirtschaften. Deshalb ist es auch völlig sinnlos -  von wenigen Ausnahmen abgesehen, einen Wertpapierberater zu fragen, ob man eine bestimmte Aktie verkaufen oder kaufen sollte. Das ist so, als wenn Sie ins Frisörgeschäft gehen und fragen, ob Sie wohl einen Haarschnitt haben sollten.

 

Echte Privatbankiers

 

Ich habe das Glück seit zwei Jahrzehnten mit Bankiers in der vierten Generation geschäftlich befreundet zu sein. Es sind zwei Brüder, in Paris und in der Schweiz aufgewachsen, die auch heute noch mit ihrer Privatbank voll umfänglich, auch mit ihrem Privatvermögen, haften. Solche Geschäftsleute sind nur noch selten in unserer Zeit anzutreffen. Sie haben sich von jeher für internationale Qualität und Unabhängigkeit entschieden. Nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigten sie 60 Mitarbeiter, heute sind es 62 Leute in der Bank. Mit Umsicht und viel Engagement betreiben sie ihr Bankgeschäft. Nicht weiter verwunderlich: Die Lehmann-Krise im Jahr 2008, der zahlreiche Banken zum Opfer gefallen sind, und andere Institute nur durch die Hilfe von Politikern überlebt haben, ist an ihnen unbeschadet vorüber gegangen.

 

Am Frühstückstisch gelernt

 

Von klein auf haben sie zu Hause, sozusagen am Frühstückstisch, bei Gesprächen ihres Vater und Onkels mit spitzen Ohren zugehört. So bekamen sie mit, was in der Bankenwelt alles schlecht und gut lief. Eines der Prinzipien, welches ihnen immer wieder nahegelegt wurde war: „Boys, never forget, we make more money, saying – no“. Dieser simple Satz hat es in sich und trifft den Nagel auf den Kopf. Für den Investor ist es nun mal so: Dauerhaft erfolgreiche Geldanleger und Unternehmer vermeiden schlechte und mittelmäßige Geschäfte. Sie konzentrieren sich auf ein Gebiet. Dort wächst ihr Fachwissen und ihre Kompetenz. Und dort halten sie auch durch. Stehvermögen mit Know-how ist am Ende, was den Unterschied ausmacht.

 

Die große Gefahr: Langeweile und Unstetigkeit

 

Aus meiner langjährigen Beobachtung ist die Wurzel des schlechten Geldanlegens häufig im beruflichen oder privaten Umfeld zu suchen. Besonders Menschen mit Berufsgattungen, die oft als repetitiv oder langweilig betrachtet werden, sind stark gefährdet. Zahnärzte und Notare beispielsweise, um nur zwei Berufe zu nennen,  sind an ihre Praxis- oder Büroräumlichkeiten gebunden. Nach ein paar Jahren im Beruf fehlt es ihnen an echten Herausforderungen. Das Einerlei des Tagestrotts ermüdet.

 

Da bietet sich das Geldanlegen, das Spekulieren, sozusagen als Flucht in eine andere Welt an. Der Nervenkitzel eines Finanzabenteuers wird unterbewusst regelrecht gesucht. Auch zu Hause ist nicht selten folgendes Szenario anzutreffen: Nach vielen Jahren des Familienlebens wird am Abendtisch kaum noch Interesse an der beruflichen Tagesleistung gezeigt. Lob und Anerkennung gibt es kaum noch. Wie wohltuend sind da doch die Telefonate mit dem Anlageberater oder dem Vermögensverwalter. „Ja der, der hat noch Verständnis, der weiß noch zu schätzen, was ich hier so täglich leiste“.

 

Und so driftet mancher Erfolgsmensch als Dauer-Amateur ins Finanzgeschehen ab. Und in der Regel ist das Endergebnis immer das Gleiche: Im Boom kauft er mit vollen Backen auf hohen Kursen zu. Und im Crash, so 2008 und 2009, wird er ganz nervös und steigt genau zum Markttief schließlich aus. Er fühlt sich wie ein geschlagener Hund, ungerecht schlecht behandelt.

 

Das schlüpfrige Börsenparkett

 

Wer sich auf das schlüpfrige Börsenparkett wagt, sollte vorher an der Garderobe seine Emotionen zusammen mit seinem Mantel abgeben. Langeweile, Abenteuerlust, Frust im Beruf, ein Vakuum im häuslichen Leben – all das darf keinen Einfluss auf das Investieren und Geldanlegen haben. Solche Defizite sollte man mit anderen Interessen ausgleichen: Vielleicht ein Hobby aktivieren, einem Sport nachgehen, ein Musikinstrument erlernen, sich sozial engagieren im Non-Profit Sektor. Aus eigener Erfahrung: Ich kann ihnen versichern, dass sich meine Performance an der Börse nochmals verbessert hat, seitdem ich im Alter von 55 Jahren angefangen habe, Geigenunterricht zu nehmen. Ganz egal, wozu Sie sich entscheiden: Um Gottes willen, lassen Sie bloß ihr Kapital in Ruhe.

 

Auf den großen Tanker warten

 

Es ist nicht nur wegen der vielen, unnötigen Spesen. Das ständige Investieren bei jeder spannend aussehenden Gelegenheit hat ja viel schlimmere Folgen. Ehe man sich versieht, ist man im Verlauf der Zeit voll investiert. Das Aktiendepot quillt über von schief gegangen Spekulationen und Engagements. Meist weiß man gar nicht mehr richtig, warum man die eine oder andere Aktie überhaupt gekauft hat. Das typische Bild eines solchen Depots: Nichts an strategischer Überlegung, eher ein Regal voller angebissener Äpfel. Ein Bild des Jammers.Von Vermögensaufbaus oder -ausbau keine Spur.

 

 

Im Geschäftsleben und an der Börse kann ein jeder unendlich große Erfolg einfahren. Es erfordert nur eins: Die Erkenntnis und Zuversicht, dass einem im Leben exzellente Gelegenheiten offeriert werden. Aber eben nur wenige! Ich sehe das so: Die Kunst liegt in der Ruhe, geduldig abzuwarten, auf das Meer zu schauen und auf den ganz großen Tanker zu warten. Und dann eines Tages, da taucht er auf. Ganz dicht vor den Augen fährt er langsam an einem vorbei.  Viele Investoren verpassen diesen schönen Augenblick. Oder sie sehen den großen Tanker einfach nicht. Sie meinen, eine Wolke verdunkele das Bild. Und im zweiten Schritt, muss man dann die Gelegenheit beim Schopf ergreifen und zuschlagen. Mit Kapital in den Taschen heißt es nun, an Bord zu gehen.

Das sind unwiederbringliche Momente, auf die der Geldanleger vorbereitet sein muss.

 

Wer aber nicht systematisch Disziplin hält, und ständig in Mittelmaß investiert, der kann im entscheidenden Moment als Investor nicht „zuschlagen“.

 

Von 1929 und 2008 lernen  

 

Es ist immer das Gleiche gewesen. Im entscheidenden Moment, wenn in der Megakrise beste Assets, Grundstücke, Aktien, Firmenbeteiligungen,   quasi verschenkt werden, hat kaum ein Investor Liquidität, um zu kaufen. Es ist eine uralte Beobachtung an der Börse: Zu Zeiten extremster Ausschläge, sowohl im Hyper-Boom überkochender Kursnotizen, also auch im tiefsten Ausverkaufs-Crash, hält die Irrationalität der Massenhysterie viel, viel länger an, als man es für möglich hält. Das sind die Momente, wo große Vermögen gemacht werden.

 

Es sind die Investoren, die lange Zeit - über Jahre hinweg – immer wieder „Nein“ sagen, die groß rauskommen. Bitte also noch einmal:  Keine Beschäftigungstherapie mit ihrem Geld, sondern nur außergewöhnliche Gelegenheiten ergreifen!

 

Wen es beruhigt - Warren Buffett, der große Investor aus Omaha, ist ebenfalls von diesem Ansatz überzeugt. Es gebraucht nicht mein Bild vom „großen Tanker“. Für ihn bekommt jeder Mensch bereits zur Geburt eine „Zwölfer-Karte“ für die Reise durch das Leben. Wer auf Zack ist, der kann im Leben zwölf Mal richtig punkten.

 

Buffett und ich sind eben von Natur aus und aus gewonnener Erfahrung Optimisten. Aber wie sagte schon ein Freund von mir vor langer Zeit: „Die Häuser auf den besten Grundstücken der Park Avenue in New York sind alle von Optimisten bebaut.“ Recht hat er.

 

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