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Auf die Bruttomarge achten

Freitag, 15. Mai 2015

Bei der Beurteilung von börsennotierten Aktiengesellschaften führt kein Weg an der Analyse der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung vorbei. Auf welche Ziffer ist dabei als erstes zu achten, womit beginnt man als Investor dabei am besten?


Bilanzanalyse und das Studium der Gewinn- und Verlustrechnung sind eine trockene Materie. Wer, als Investor darum einen Bogen macht, handelt unklug. Wem selber das Fachwissen fehlt, der sollte zumindest einen geübten Bilanzleser zu Rate ziehen. Denn im Zahlenwerk spiegelt sich sowohl die Kraft und Leistung, als auch die strategische Orientierung und deren Umsetzung des Unternehmens wieder.

 

Vor lauter "Zahlengewirr" auf zig oder gar hundert Seiten, weiß  auch der Profi oft nicht, wo er den Hebel zum Einstieg in die Analyse ansetzen soll.

Dabei wird eine kleine, unscheinbare Ziffer übersehen: die Bruttomarge!

 

Die Bruttomarge zeigt einfach ausgedrückt an, wie viel verdient wird, nachdem man die Herstellungskosten vom Verkaufspreis abzieht. Also, eine Firma verkauft einen Artikel für Euro 100.-. Die Herstellung und Verpackung kosten Euro 60.-. Somit beträgt die Bruttomarge Euro 40,- oder 40%.

 

Die ganze Kraft eines Unternehmens stammt aus dieser Bruttomarge. Ist sie einfach nicht groß genug, nützt alle "Zauberei" später nichts. Die Bruttomarge ist die Quelle aus der Forschung & Entwicklung, Innovation, Marketing & Werbung, Steuern, die Zuführung zu den Rücklagen und

die Dividende finanziert wird.

 

Der Investor sollte grundsätzlich erst einmal nach Unternehmen mit hohen Bruttomargen Ausschau halten. Die Unterschiede sind enorm. Manche Firmen verdienen jedes Jahr 30 %, andere wie zum Beispiel einige Brillenhersteller 70 % (!) Bruttomarge.

Wenn man nicht mit einer Branche "verheiratet" ist und als Investor frei wählen kann, warum also sich für schwächere Firmen entscheiden? Die Antwort findet man nicht im Kurszettel - aber ein Blick auf die Bruttomargen hilft da weiter.

 

Neben der absoluten Höhe der Bruttomargen-Ziffer, gibt es noch einen zweiten wichtigen Aspekt zu beachten: Die Entwicklung der Bruttomarge über die Jahre hinweg. Hier bietet sich dem Investor ein hochinteressanter Einblick. Egal, was im Geschäftsbericht geschrieben wird, über die Absatzmärkte und Verkaufsbemühungen, die Wahrheit zeigt sich reinrassig in der Entwicklung der Bruttomarge. Dazu ein Beispiel: Die Umsätze des Unternehmens steigen von Jahr zu Jahr. Alle freuen sich.  Gleichzeitig ist die Bruttomarge aber von 40 %, innerhalb von fünf Jahren, auf 36 % gesunken. Dieser Umstand fällt aber kaum auf, weil die Firma bei der Forschung und im Werbebudget systematisch gekürzt hat. So wird ein steigender Jahresgewinn ausgewiesen und die Dividendenausschüttung an die Aktionäre sogar erhöht. Das Management wird gelobt, alle sind glücklich.

 

Die rückläufige Entwicklung der Bruttomarge ist eines der wichtigsten Alarmzeichen und ein ideales Frühwarnsystem für den Investor. Denn woher kommt eine rückläufige Bruttomarge? Was hat das zu bedeuten? Nun, das Unternehmen kann de facto seinen Umsatz nur ausweiten, in dem sie die Verkaufspreise reduziert. Entweder sind die Produkte schlichtweg zu teuer, es sind preiswerte Konkurrenten in den Markt getreten. Oder die eigene Verkaufsmannschaft ist nicht auf der Höhe und kapituliert vor der Macht der Einkäufer. Oder das Marketingkonzept hat versagt und kann die Qualität der Ware nicht entsprechend vermitteln. Vielleicht nagt aber schon der Zahn der Zeit an dem Standard der Firmenerzeugnisse.

In jedem Fall, gilt es genau zu untersuchen, wo im speziellen Fall der Hase begraben ist. Unter Umständen kann sich der Investor gleich eine weitere Beschäftigung mit der Bilanz und dem dicken Geschäftsbericht sparen und die Aktiengesellschaft aus seiner Investmentliste streichen.

 

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