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Audi Aktie – unterbewertet?

Mittwoch, 27. Mai 2015

Qualitätsaktien sind en vogue und teilweise auf historischen Höchstkursen. Die durchschnittlichen Kursgewinnverhältnisse bei den Dax-Unternehmen liegen im Schnitt zwischen dem zwölf- und 18fachen Jahresgewinn. Es gibt jedoch eine erstaunliche Ausnahme, von der Öffentlichkeit kaum bemerkt: Die Aktie des Autobauers Audi AG.


Am Freitag den 22. Mai 2015 fand in Neckarsulm die jährliche Hauptversammlung der Audi AG statt. Der ME Fonds – Special Values hat schon seit langer Zeit ein größeres Aktienpaket der Audi AG und hat an der diesjährigen Versammlung der Aktionäre teilgenommen. Dabei kam erstaunliches zutage.

 

Obwohl die Audi AG zu 99,55% zum VW-Konzern gehört, verbleiben immerhin noch 192.203 freie Aktien im Umlauf. Diese werden regulär an der Börse gehandelt. Bei dem aktuellen Kurs von € 750 pro Aktie macht dies einen Free Float von € 144 Mio aus.

 

Es ist doch paradox: Einerseits ist der weltweite Erfolg des Autoherstellers Audi mit seinem fortschrittlichen Design und seiner besonders ausgeprägten Technik jedermann bekannt. Auf der anderen Seite führt die Aktie dieses hervorragenden Unternehmens ein Mauerblümchendasein an der Börse. Dies hat im Lauf der letzten Jahre zu einer bemerkenswerten Unterbewertung der Aktie geführt.

 

Betrachten wir die Entwicklung der letzten zehn Jahre. In 2005 erwirtschaftete Audi einen Jahresüberschuss in Höhe von € 824 Mio., der Aktienkurs stand bei € 308, das Kursgewinnverhältnis betrug, der Branche und Qualität der Firma entsprechend 16. Was bringt nun der Jahresabschluss 2014 zutage? Der Jahresüberschuss hat sich seitdem mehr als verfünffacht auf € 4.428 Mio., der Aktienkurs hingegen hat sich nicht einmal verdreifacht (+150%). Das Kursgewinnverhältnis liegt bei 7,3. Damit rangiert die Audi Aktie mit weitem Abstand am unteren Rande der international üblichen Bewertungsskala. Man kann nur mutmaßen zu welchen Kursen Audi gehandelt würde, wenn es ein eigenständiges Dax-Unternehmen mit großem Free Float wäre.

 

Welche Begründung wird für die Vernachlässigung der Audi Aktie angeführt? Zum einen weisen viele Marktteilnehmer darauf hin, dass ja nur noch „so wenig“ Aktien im Umlauf seien. Hierzu sollte man aber feststellen, dass es viele Unternehmen an der Börse gibt, die einen weitaus geringeren Free Float als € 140 Mio haben. Zudem ist es in den meisten Fällen wo nur noch “wenige“ Aktien von einem erstklassigen Unternehmen zu haben sind so, dass die letzten freien Aktien geradezu in Gold aufgewogen werden. Zum anderen wird auf den Gewinnabführungsvertrag mit der juristisch festgelegten Ausgleichszahlung hingewiesen. Diese sieht vor, dass nur ein sehr geringer Anteil des Gewinnes an die Audi Aktionäre ausgeschüttet wird. In 2005 waren es € 1,15 pro Aktie, in 2014 € 4,80. Das ist zwar eine beachtliche Steigerung von Jahr zu Jahr, entspricht aber lediglich etwa 5% des Jahresergebnisses. Bei dieser Betrachtung wird jedoch außer Acht gelassen, dass die freien Audi Aktionäre an der Wertsteigerung des Audi Konzerns als echte Anteilseigner teilhaben sollten. Der geringe Gewinnabführungsvertrag stammt aus einer „anderen Zeit“ und verschleiert sozusagen als Angstgespenst eine faire Betrachtung der Substanz und Qualität der Audi Aktie.

 

Die Marke Audi ist die Perle im VW Konzern, von international unschätzbarem Wert. Es wird auf Dauer sicher interessant sein zu sehen, welche Entscheidung der VW Konzern treffen wird; denn grundsätzlich gibt es nur zwei konsequente Möglichkeiten: Erstens verringert VW seinen Anteil an Audi und schafft damit ein neues Dax-Unternehmen. VW würde damit die Kontrolle über Audi behalten. Die Börsenwelt würde sich um diese neuen Audi Aktien im Dax geradezu reißen. Die Bewertung der Aktie im Dax läge auf heutiger Basis sicherlich bei einem KGV von 12-15, wenn nicht sogar höher. Hierdurch würde eine ganz enorme Wertschöpfung für den VW Konzern entstehen. Ein ungeheures, auch langfristiges Finanzpotential. Zweitens, sollte diese Variante langfristig für VW nicht von Interesse sein, so gibt es an sich keine wirkliche Begründung für eine weiterhin teure Aktiennotierung an der Börse mit Hauptversammlung, Geschäftsbericht, etc. Der konsequente Schritt wäre, so wie das ja auch andere Unternehmen machen, der Squeeze Out. Und dieser würde natürlich nur zu einer adäquaten Börsenbewertung stattfinden können. Den Status quo mit einer immer tieferen Bewertung der Audi Aktie beizubehalten, entspricht nicht dem Renommee und Ansehen der Audi AG und des VW Konzerns.

 

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